Wenn ich jemandem erkläre, dass ich Feministin bin, werde
ich meistens nur schief angesehen oder mit einem Augenrollen abgetan. Das
Problem ist, dass dieses Wort jede Menge falsche Assoziationen mit sich zieht.
Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Feminismus eine Art Kampf der Frauen
gegen die Männer ist. Dabei geht es dabei nicht ums Gewinnen. Es geht auch
nicht nur um Frauen (auch wenn der Begriff vielleicht so klingt). Feminismus
ist Gleichstellung für alle. Es geht darum, dass wir alle die gleichen Rechte und
Möglichkeiten haben und von Vorurteilen und Stereotypen daran gehindert werden, zu sein, wer wir sind.
Es gibt viele Länder, in denen Frauen systematisch
unterdrückt werden, um ihre Sicherheit fürchten müssen und Männern gesellschaftlich untergeordnet sind. Im Vergleich dazu haben wir es gut. Aber eben nur im
Vergleich. Die Tatsache, dass Männer nach wie vor mehr verdienen als Frauen ist
nur eines der vielen Probleme, die auch in Deutschland bis heute existieren.
Doch am meisten merke ich Sexismus im alltäglichen Leben. Wieso ist ein Mann,
der von seinem One Night Stand erzählt ein Held und wird von seinen Freunden
abgeklatscht, während die Frau versuchen muss, die Geschichte geheim zu halten,
um ihr Image zu bewahren? Wieso sagen wir Mädchen in Hotpants, sie sollen
„nicht so herumlaufen“ während niemand ein Problem damit hat, wenn Jungs in nichts als Shorts
herumlaufen? Wieso lassen wir zu, dass Frauen in Film und Fernsehen derart
stereotypisch und facettenlos dargestellt werden und selbst Heldinnen immer die männliche Vorstellung von "sexy" erfüllen müssen? Wir leben im Jahr 2015 und
immer noch akzeptiert ein Großteil der Gesellschaft dieses Verhalten. Genauso wie wir Kindern beibringen, dass Jungs auf Autos
stehen und Mädchen auf Barbies. Wir denken in Schubladen und wundern uns eines
Tages, wer uns in diese Schubladen gedrängt hat. Meiner Meinung nach sind das
Problem nicht nur Männer, die Feminismus nicht für ihre Angelegenheit halten,
sondern auch Frauen, die nicht verstehen, worum es dabei geht. Dabei geht
dieses Thema jeden etwas an.
Denn Feminismus ist nicht, jede Frau dazu bringen zu wollen,
eine Karriere der Familie vorzuziehen. Im Gegenteil: es geht darum, Frauen UND
Männern die Wahl zu lassen. Eine Hausfrau kann Feministin sein, genauso wie ein
Businessmann oder eine Prostituierte. Feminismus bedeutet auch nicht, dass
Männer keine Türen aufhalten können und Frauen keine provokante
Unterwäsche tragen können. Feminismus bedeutet, dass jedem die Wahl bleibt und
dass wir gleich behandelt werden.
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