Freitag, 12. Juni 2015

Das F Wort


Wenn ich jemandem erkläre, dass ich Feministin bin, werde ich meistens nur schief angesehen oder mit einem Augenrollen abgetan. Das Problem ist, dass dieses Wort jede Menge falsche Assoziationen mit sich zieht. Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Feminismus eine Art Kampf der Frauen gegen die Männer ist. Dabei geht es dabei nicht ums Gewinnen. Es geht auch nicht nur um Frauen (auch wenn der Begriff vielleicht so klingt). Feminismus ist Gleichstellung für alle. Es geht darum, dass wir alle die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben und von Vorurteilen und Stereotypen daran gehindert werden, zu sein, wer wir sind.

Es gibt viele Länder, in denen Frauen systematisch unterdrückt werden, um ihre Sicherheit fürchten müssen und Männern gesellschaftlich untergeordnet sind. Im Vergleich dazu haben wir es gut. Aber eben nur im Vergleich. Die Tatsache, dass Männer nach wie vor mehr verdienen als Frauen ist nur eines der vielen Probleme, die auch in Deutschland bis heute existieren. 
Doch am meisten merke ich Sexismus im alltäglichen Leben. Wieso ist ein Mann, der von seinem One Night Stand erzählt ein Held und wird von seinen Freunden abgeklatscht, während die Frau versuchen muss, die Geschichte geheim zu halten, um ihr Image zu bewahren? Wieso sagen wir Mädchen in Hotpants, sie sollen „nicht so herumlaufen“ während niemand ein Problem damit hat, wenn Jungs in nichts als Shorts herumlaufen? Wieso lassen wir zu, dass Frauen in Film und Fernsehen derart stereotypisch und facettenlos dargestellt werden und selbst Heldinnen immer die männliche Vorstellung von "sexy" erfüllen müssen? Wir leben im Jahr 2015 und immer noch akzeptiert ein Großteil der Gesellschaft dieses Verhalten. Genauso wie wir Kindern beibringen, dass Jungs auf Autos stehen und Mädchen auf Barbies. Wir denken in Schubladen und wundern uns eines Tages, wer uns in diese Schubladen gedrängt hat. Meiner Meinung nach sind das Problem nicht nur Männer, die Feminismus nicht für ihre Angelegenheit halten, sondern auch Frauen, die nicht verstehen, worum es dabei geht. Dabei geht dieses Thema jeden etwas an.

Denn Feminismus ist nicht, jede Frau dazu bringen zu wollen, eine Karriere der Familie vorzuziehen. Im Gegenteil: es geht darum, Frauen UND Männern die Wahl zu lassen. Eine Hausfrau kann Feministin sein, genauso wie ein Businessmann oder eine Prostituierte. Feminismus bedeutet auch nicht, dass Männer keine Türen aufhalten können und Frauen keine provokante Unterwäsche tragen können. Feminismus bedeutet, dass jedem die Wahl bleibt und dass wir gleich behandelt werden.


Dieses Thema ist noch lange nicht erschöpft und wird aktuell mehr denn je diskutiert. In Filmen wird immer mehr darauf geachtet, auch andere Frauenrollen, als das typische Single-Mädchen auf der Suche nach einem Mann zu porträtieren und viele Celebrities äußern sich zu diesem Thema (siehe die UN Rede von Emma Watson). Egal, wer man ist, wie man sich identifiziert, was man mit seinem Leben anfängt, Feminismus geht uns alle etwas an.

 
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